Der Kugelgarten

 

In diesem bestückten Growroom wachsen Blumen, Kräuter und Gemüse             Im „Growroom” wachsen Blumen, Kräuter und Gemüse Copyright:© Rasmus_Hjortshøj

Urbanes Gärtnern in der Kugel – Ikea gibt „The Growroom“ als Open-Source-DIY-Bausatz frei

Von Caren Fuhrmann

Urban gardening ist Trend: Immer mehr Städter suchen nach dem eigenen Grün, ob zur Dekoration oder zur Selbstversorgung. Doch fehlt vielen der Raum. Findige Skandinavier haben ein Projekt entwickelt, das indoor wie outdoor einsetzbar ist und Pflanzen äußerst platzsparend gedeihen lässt: die begehbare Gartenkugel. Seit Mai 2017 kann sie jedermann lizenzfrei nachbauen.

Sie nennt sich „The Growroom“, hat Außenmaße von 2,8 × 2,5 Metern und lässt sich leicht auf dem großen Balkon, dem flachen Hausdach oder auf dem Schulhof aufstellen. Fünf Etagen bieten Platz für zahlreiche Blumen, Gemüse und Kräuter. Durch die intelligente Holzkonstruktion und die richtige Platzierung der Pflanzen bekommen alle ausreichend Licht, je nach ihren Bedürfnissen. Dem individuellen Arrangement stehen viele Möglichkeiten offen und obendrein kann der kreative Gestalter im Inneren ein lauschiges Plätzchen einrichten, eine duftige Schattenoase zum Durchatmen.

Konsequent nachhaltig und kostengünstig

Hinter der Idee stecken Ikeas Entwicklungslabor Space10 in Kopenhagen und die dänischen Architekten Mads-Ulrik Husum und Sine Lindholm. Der Ansatz: Konsequent verfolgte Nachhaltigkeit. Die Vision: In den zunehmend enger werdenden urbanen Zentren wird Selbstversorgung mit vitaminreicher und frischer Kost durch Eigenanbau auf kleinstem Raum möglich. Produktionskosten und lange Transportwege für den vertikalen Garten entfallen, denn die Bauteile besorgt sich der zukünftige Kugelgärtner selbst. Er benötigt nur Sperrholz, das er mit Lasercutter und CNC-Fräse im Baumarkt zuschneiden lässt, und Schrauben.

Hier sind die Elemente des Bausatzes für den Growroom von IKEA zu sehenBausatz für einen Growroom Copyright: Bild: ©Rasmus Hjortshøj / Lizenz: Creative Commons

Know-how gratis

Die nur 17 Arbeitsschritte umfassende Herstellungs- und Montageanleitung hat das IKEA-Entwicklungslabor lizenzfrei zur Verfügung gestellt. Zu zweit und mit Hilfe von zwei Gummihämmern, Schraubendreher, Bohrmaschine und etwas handwerklichem Geschick ist der urbane Minigarten in kurzer Zeit aufgebaut. Ikea-typisch und kostengünstig. Über die Haltbarkeitsdauer des Materials wird spekuliert, zumindest wird empfohlen, das Holz gegen Fäulnis zu imprägnieren. Auf der Maker Faire Vienna vom 20.-21.Mai 2017 wurde „The Growroom“ erstmals einem breiten Publikum präsentiert, mit durchweg positiver Resonanz. In den Augen der Messeorganisatoren war es eines der Highlights.

 

Mads-Ulrik Husum und Sine Lindholm bauen einen Growroom auf       Die Architekten Mads-Ulrik Husum und Sine Lindholm beim Aufbau eines „Growroom“
Copyright: © Niklas Adrian Vindelev

Kopieren erwünscht

Nachbauen und vorführen ist ausdrücklich erwünscht. Ein weiterer Nachhaltigkeitseffekt, so hoffen die Erfinder. Ihre Vision wäre erfüllt, wenn sich zukünftig viele Menschen auf allen Kontinenten eine Welt in der Gartenkugel schaffen würden. Die Städter sollen damit ihre frischen Zutaten für den Alltag selbst herstellen können. Doch es geht nicht nur um einen vitaminreichen Snack, sondern um die Versorgung in der Zukunft. Freunde einladen, um die frisch geernteten Köstlichkeiten zu probieren, die Nachbarn mit Blumenablegern erfreuen und den Kinder zeigen, wie Salat und Minitomaten heranwachsen – mit dem „Growroom“ kann ein lebendiger garten-kultureller Austausch erblühen und aus Gartenmuffeln könnten überzeugte Minigärtner werden.

Bepflanzter Growroom von IKEA als Austellungssttück in Kopenhagen

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