Kulturkaufhaus Dussmann

Botanische Wandkunst von Patrick Blanc – eine grüne Oase mitten im Kaufhaus

Ein tropisches Pflanzenkunstwerk auf einer Wandfläche von 270 Quadratmetern hat der in Paris lebende Botaniker und Gartenkünstler Patrick Blanc für das Kulturkaufhaus Dussmann in der Berliner Friedrichstraße geschaffen. Mehr als eine Million Kunden pro Jahr können hier neben Büchern, Musik und Filmen seit 2012 die neue botanische Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt entdecken.

Von Caren Fuhrmann und Anette Hämmerling

Das lebendige Kunstwerk, das sich mit den Jahren optisch verändert und in den Räumlichkeiten von Dussmann ein angenehmes Klima erzeugt, ist ein wahrer Besuchermagnet in Berlins Mitte. In nur elf Wochen hat ein Team von sieben Landschaftsgärtnern und weiteren Helfern mit dem renommierten Gartenarchitekten Patrick Blanc einen vertikalen Dschungel erschaffen. Es pflanzte mehr als 6.600 Gewächse nach einem ausgeklügelten Plan. Das war harte Arbeit und gleichzeitig eine gärtnerische Herausforderung. Ein einmal festgelegter Pflanzplan ist dem Botaniker Blanc heilig. Für die Umsetzung des anspruchsvollen Entwurfs blieb den Gärtnern daher nur ein kleiner Spielraum für notwendige Abweichungen.

Inspiriert von Pariser Wandgärten

Die Idee zu der grünen Wand hatte die Hausherrin Catherine von Fürstenberg-Dussmann. Fasziniert von einer vertikalen Fassadenbegrünung in Paris, traf sie im Mai 2011 deren künstlerischen Projektanten Patrick Blanc, mit dem sie sich eng befreundete. „Er war wie ein Magnet und so voller Innovationen und Ideen“, sagte sie später. „Ich wollte, dass solch ein Mensch etwas für meine Firma macht.“(Anker zu Video)
Damit war Blanc engagiert. Nur gut eineinhalb Jahre später, am 17. Januar 2012, enthüllte er im Dussmann-Haus seine einzigartige „Mur Végétal“, den mit 18 Metern Höhe und 15 Metern Breite damals größten Indoorgarten der Welt. „Für unsere Firma ist es auch ein Zeichen von Nachhaltigkeit und dafür, dass Dussman wächst und gedeiht“, sagte Catherine von Fürstenberg-Dussmann zur feierlichen Einweihung.

Spezialvlies für gute Pflanzergebnisse

In der Pflanzenwand bei Dussmann wachsen viele uns bekannte Zimmerpflanzen wie Orchideen, Bromelien und Anthurien. In wellenförmiger Anordnung sind die Pflanzen je nach Art und Größe so platziert, dass einem gesunden Wachstum nichts entgegensteht. Gepflanzt wird auf einem zweilagigen Filtervlies, das Blanc selbst entwickelt hat. Es besteht aus recycelten Acrylfasern einstiger Bekleidung. Mit rund 60.000 Edelstahlnadeln sind Taschen darauf befestigt. Zunächst lugen die kleinen, zusätzlich mit Draht befestigten Gewächse aus ihren Pflanzbeuteln hervor. Wenn sie wachsen, schließen sich die Lücken von selbst, so dass das Acrylvlies nicht mehr sichtbar ist. Hier und da wird von Zeit zu Zeit nachgearbeitet, denn nicht alle Pflanzen wachsen an. Insbesondere die von Blanc ausgewählten exotischen Wasserpflanzen sind hochempfindlich und anspruchsvoll.

Im Vorfeld der Projektrealisation waren umfangreiche Arbeiten notwendig. In Teltow hatten die Gärtner Gewächshäuser mit Heizung und Kältewächtern angemietet, um die circa 7.000 wärmeliebenden tropischen Pflanzen zwischenzeitlich unterzubringen. Der Wandgarten ist eine Hydrokultur, d. h. die Pflanzen wachsen nicht in Erde, sondern in einem anorganischen Substrat. Daher mussten alle Wurzeln von Erde befreit werden – eine Heidenarbeit. Ausgeklügelte Logistik und ein guter Überblick waren für das Gelingen des Projektes unerlässlich. Gärtnern als Hochleistungssport, alles musste Hand in Hand gehen.

Hoher Pflegeaufwand für das tropische Pflanzenkunstwerk

Zweifellos ist es für Angestellte und Kunden ein angenehmer, ökologischer Aspekt, dass das Biotop das Raumklima bei Dussmann verbessert. Die Mikroorganismen in den Wurzeln filtern die giftigen Substanzen aus der Luft und wandeln sie in verträglichere Stoffe um.

Doch die Unterhaltung der grünen Wand ist nicht billig.

Für die richtige Beleuchtung der Pflanzen sorgen raffiniert platzierte LED-Leuchten in unterschiedlichen Farben. Besonders in der Anwachsphase des Wandaufbaus war ausreichendes Licht vonnöten, damit die Setzlinge nicht eingehen.

Die Wasserversorgung übernimmt ein Pumpensystem im Keller, das über Zeitschaltuhren gesteuert wird. In Schläuchen entlang der Wände gelangen Wasser und Dünger zur grünen Oase. Die vertikalen Wasserfälle münden am Fuß der Wand in ein edel gefliestes Becken mit exotischen Wasserpflanzen, Fischen und Schildkröten. Von dem Stickstoffüberschuss, der hier produziert wird, ernähren sich über das Kreislaufsystem die Pflanzen. Aquaponic nennt man das.

Eine besondere Herausforderung sind die unterschiedlichen Bewässerungszonen. Beispielsweise müssen Wasserpflanzen, die in der Natur an Wasserfällen wachsen, feucht gehalten werden. In den trockeneren Zonen darf hingegen nur sparsam bewässert werden. Hinzu kommt, dass das kalkhaltige Berliner Wasser nicht jedem Gewächs schmeckt und deshalb entkalkt wird.
Unter diesen optimalen Bedingungen entwickeln sich die Pflanzen prächtig. Was für den Besucher in seiner Üppigkeit wunderbar anzuschauen ist, erfordert allerdings alle sechs Wochen einen regelmäßigen Rückschnitt durch Gartenprofis.

Lebendige Nachhaltigkeit

Ein halbes Jahr vor dem fünften Jahrestag der feierlichen Enthüllung der vertikalen Gartenkunst erklärt Bianca Krömer, Pressesprecherin für das Kulturkaufhaus: „Dieses Kunstwerk war das erste Zeichen für eine neue Ausrichtung der Dussmann Group: die der Nachhaltigkeit in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Das Label ‚Dussmann EcoSystem‘ steht dafür.“
Der vertikale Garten spreche alle Sinne an, hatte Catherine von Fürstenberg-Dussmann 2012 betont. Wer im Großstadtdschungel lebe, brauche grüne Oasen, in denen er zum Ursprünglichen zurückfinden könne. Der Besucherandrang vor dem Berliner Indoor-Urwald zeugt davon.

  • Realisierung:
  • Konzeption und Entwurf: Patrick Blanc, Paris
  • Ausführender Architekt: Alain Guigonis, Berlin
  • Landschaftsgärtner: Thomas Hahn, Berlin
  • Hausherrin: Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Berlin

(1) Vgl. Video von der Eröffnung des Vertikalen Wandgartens:

Kulturkaufhaus Dussmann im Internet


Dussmann das KulturKaufhaus

Das im Berliner Stadtbezirk Mitte, gelegene achtstöckige Gebäude ließ der Dienstleistungsunternehmer Peter Dussmann 1996/97 errichten. In den Jahren 2014 bis 2017 wurde es modernisiert. Auf einer Verkaufsfläche von 7.500 m² kümmern sich rund 200 Mitarbeiter um ein umfassendes Angebot an Büchern, Hörbüchern, Noten, CDs, DVDs und Papeterieartikeln. Außerdem finden regelmäßig Buchvorstellungen, Signierstunden und Musikveranstaltungen sowohl mit prominenten Persönlichkeiten als auch jungen Talenten statt.

  • Adresse: Friedrichstraße 90, 10117 Berlin
  • Telefon: 030 20251111
  • Öffnungszeiten: Mo-Fr 09-24 Uhr, Sa 09-23:30 Uhr
  • Inhaberin des Unternehmens: Dussmann Group
  • Architekten: Miroslav Wolf (Saarbrücken), Mario Campi/Franco Pessina (beide Lugano)
Detail des vertikalen Gartens von Patrick Blanc im Dussmann-Haus Berlin, seitliche Ansicht der Stahlkonstruktion mit einer Vielzahl an ästhetisch angeordneten Grün- und Blühpflanzen

Vertikaler Garten im Dussmann-Haus, seitliche Ansicht

Detail des vertikalen Gartens von Patrick Blanc im Dussmann-Haus Berlin, Ansicht eines Pflanzenbandes mit nach ästhetischen Gesichtspunkten angeordneten Grün- und Blühpflanzen verschiedener Farben und Strukturen

Vertikaler Garten im Dussmann-Haus, Detail eines Pflanzenbandes in verschiedenen Farben und Strukturen

Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin

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