Werde selbst aktiv, baue deinen eigenen vertikalen Garten

DIY-Projekte & Basiswissen

Werde selbst aktiv, baue deinen eigenen vertikalen Garten

Von Pauline Weiß

Stapeln, aufhängen, ranken lassen – das sind nur drei Möglichkeiten, wie du deinen vertikalen Garten verwirklichen kannst. Deinem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Ein paar Hinweise und Richtlinien solltest du aber beachten, damit du viel Freude an deinen vertikalen Beeten, Wandbegrünungen und hängenden Gärten hast. Wir statten dich hier mit dem notwendigen Basiswissen für praktisches Hochstapeln aus. Daneben findest du Anleitungen zu Do-it-yourself-Projekten, die wir selbst erprobt haben. Auch in den Weiten des Internets kannst du jeden Menge Ideen und Tutorials zum Thema entdecken. Unsere Favoriten stellen wir dir auf den nächsten Seiten vor.

Lass dich inspirierend und werde kreativ!

kreative Recyling-Idee für vertikales gärtnern

Welche Gefäße kann ich bepflanzen?

Pflanzen wachsen nicht nur im Gartenbeet. Sie gedeihen auch in PET-Flaschen, Tetra Paks, an der Wand oder hängend in Ampeln. Neben dem klassischen Blumentopf ist also Kreativität gefragt, denn Pflanzen wachsen praktisch in allem, was mit Erde befüllt werden kann und sich bei Wasserkontakt nicht auflöst. Wichtig ist, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann, da Pflanzen keine Staunässe mögen.

Auf die Tiefe des Gefäßes und die Eigenschaften der Wurzeln solltest du Rücksicht nehmen. Salate, Kresse und Fetthennen können in flachen Schalen gezogen werden. Aber Borretsch oder Mangold sind Pfahlwurzler und bevorzugen daher tiefe Töpfe. Eine Übersicht findest du auf dem Mind-Map Wurzeltiefe.

Fußbälle als Blumentöpfe

Wandgärten

Wände sind der ideale Platz für vertikale Gärten – egal ob drinnen oder draußen. Die leere Schuppenfassade kannst du beispielsweise mit einer Konstruktion aus Regenrinnen, Salatpflanzen und Kräutern schnell in einen lebenden, hochkanten Garten verwandeln. Auch mit Europaletten oder PET-Flaschen begrünst du im Handumdrehen ungenutzte Wände.

Deinem Wohnzimmer kannst einen ganz raffinierten Chic durch bepflanzte Bilderrahmen verleihen. Hierfür eignen sich Sukkulenten hervorragend. Sie sind genügsam und anspruchslos. Obendrein sehen sie toll aus – besonders, wenn du verschiedenfarbige Gewächse mit unterschiedlichen Blattformen kombinierst. Außerdem brauchen ihre Wurzeln nur wenig Platz. Beachte aber, dass sie ausreichend Licht bekommen (siehe unten).

Wenn du eine Nähmaschine hast, kannst du dir leicht eine Pflanzentasche herstellen. Ein Schnittmuster mit Anleitung findest du beispielsweise im Buch „Grüne Stadtoasen“ von Dorthe Kvist oder von Julia auf einstueckvomglueck.com. Für Julias Idee brauchst nicht mal eine Nähmaschine, Nadel und Faden reichen und Ruckzuck zauberst du aus einem alten Plastikbeutel einen kleinen senkrechten Garten, in dem zwei grüne Mitbewohner glücklich werden. Diese flexiblen Beete sind aufgrund des Materials sehr leicht und können gut an der Wand befestigt werden, sowohl indoor als auch outdoor. Hängst du deine Pflanzentaschen auf Balkon oder Terrasse, können deine Zöglinge von der Wärme, die die Wand speichert, profitieren. Sonnenhungrige Kräuter gedeihen so besonders gut.

Pflanzentaschen gibt es aber auch freistehend. Sie funktionieren genauso wie ein Blumenkübel, sind aber leichter und schneller verstaut, sollten sie nicht gebraucht werden. Mit diesen Planting bags kannst du auf deiner Terrasse mobile Hochbeete anlegen, die du schnell und bequem verschieben kannst.

Freistehende vertikale Gärten sind ebenfalls möglich und ein richtiger Hingucker. Solche Minigärten kreierst du beispielsweise aus unterschiedlich großen Blumentöpfen, die allesamt mit Erde befüllt, bepflanzt und aufeinandergestapelt werden. Der größte ganz unten und nach oben immer kleiner. Mit dieser Pyramidenform erhältst du einen freistehenden Garten, auf dem sich wuchernde oder hängende Pflanzen gut aussehen. Aber Vorsicht, achte auf den Schwerpunkt deiner Anlage oder befestige die Töpfe gut, sonst kann es leicht passieren, dass der ganze Turm umkippt, wenn jemand anstößt.

Auch mit Mauersteinen aus dem Baumarkt kannst du kreative, vertikale Beete anlegen. Mauersteine sind innen oft hohl und können daher als Blumentopf umfunktioniert werden. Schau dich einfach im Baumarkt, auf dem Flohmarkt oder auch in der Küchenabteilung im Einkaufszentrum um, lass deiner Kreativität freien Lauf und du wirst überrascht sein, womit du senkrechte Beete und vertikale Lagunen zaubern kannst.

vertikale Fassadenbegrünung aus Blumentöpfen

Was muss ich bei welchem Material beachten?

Pflanzen wurzeln überall, wenn die Voraussetzungen stimmen. Jedes Pflanzengefäß – von der alten Zinkbadewanne über die PET-Flasche bis hin zum klassischen Blumenkasten – sollte über Löcher im Boden verfügen, damit Wasser ablaufen kann, denn die meisten Pflanzen wollen nicht im Wasser stehen. Besitzt der geplante Blumentopf keine Abflussmöglichkeit, kannst du das mit einem Bohrer schnell ändern.

Möchtest du eine Palette begrünen, die an der Wand in deiner Wohnung hängen soll, ist darauf zu achten, dass die Wand vor Feuchtigkeit geschützt wird. Dafür bringst du eine trennende und wasserdichte Dämmschicht zwischen Mauerwerk und Minigarten an. Das kann beispielsweise eine Kunststoffplatte sein, die auch leicht zu reinigen ist. Außerdem musst die Belüftung der Wand im Blick haben. Eine Palette verfügt über Zwischenräume, in denen die Luft zirkuliert. Planst du jedoch eine größere lebende Wand ohne solche Lücken, musst du dir über Belüftung mehr Gedanken machen. Eine einfache Lösung wäre, den vertikalen Garten mit etwas Abstand zur Tapete anzubringen, so dass die Wand immer noch atmen kann und kein Schimmel entsteht. Oder du verwendest ein gekauftes Fertigsystem. Bei diesen ist an solche Probleme gedacht.

Hängt deine vertikale Oase draußen an der Fassade, vergewissere dich, ob die Wurzeln der Pflanzen in das Mauerwerk eindringen könnten. Mit der Zeit werden sie immer stärker, können so die Wand beschädigen und sogar kleine Sprengungen hervorrufen. Daher sollten vertikale Gärten sorgfältig vom Untergrund isoliert sein, was durch Folie oder eine Zwischenschicht vermieden werden kann. Auch das regelmäßige Wässern deiner Pflanzen verhindert die Beschädigung der Wand. Solange die Blumen nicht durstig sind, wachsen sie entlang der Wand und dringen nicht in kleine Ritzen und Spalten ein.

Bei der Begrünung von Holzkonstruktionen ist ferner darauf zu achten, dass das Holz selbst nicht fault, was durch dauerhaften Kontakt mit feuchter Erde leicht passiert. Daher sollte Holz mit wasserdichter Folie überzogen werden oder vor der neuen Pflanzsaison einen Anstrich mit einer ökologischen Holzlasur erhalten.

vertikales Minibeet

Stichwort Gewicht – Wie schwer dürfen meine Blumentöpfe sein?

Das richtige Gewicht für deine Gefäße hängt von der Konstruktion ab. Stapelkonstruktionen müssen sehr stabil und schwer sein. Möchtest du aus Töpfen verschiedener Größe einen Pflanzenturm kreieren, solltest du sie mit robustem Material befüllen. Zu empfehlen ist eine Kombination aus Kies und Erde. Den Kies platzierst du im unteren Teil und schüttest den Rest mit Erde auf. Bei hängenden Gärten sollten die Töpfe jedoch leicht sein. Hier kannst du mit Blähton oder Pflanzton arbeiten. Zuerst gibst du den Blähton in den Blumentopf und dann die Erde. Pflanzton hat auch den Vorteil, dass er Wasser aufsaugt, speichert und nach und nach absondert. Vertikale Gärten trocknen schneller aus, doch mit diesem Trick bindest du die Feuchtigkeit etwas länger.

Welche Erde nehme ich? Oder doch lieber Substrat?

Alle Pflanzen brauchen Wasser, Mineralstoffe, Licht und Kohlendioxid. Erde hingegen brauchen nicht alle Pflanzen. Das beweisen vor allem die beeindruckenden Installationen von Patrick Blanc und Co. Für einen einfachen, vertikalen Garten in deiner Wohnung oder auf deinem Balkon genügt aber der Griff zu klassischer Blumenerde. Welche Erde ideal für die jeweilige Pflanze ist, richtet sich dabei nach ihren Bedürfnissen. Einige Pflanzen mögen leicht sauren Boden, andere lieben es kalkhaltig, wieder anderen genügt sogar nährstoffarme Erde. In unseren Pflanzenporträts kannst du nachlesen, was dein grüner Mitbewohner braucht.

Wo installiere ich am besten meinen vertikalen Garten?

Schau dich zunächst einmal in deiner Wohnung, auf deiner Terrasse oder deinem Balkon um. Wo sind freie Wände? Wo ist Platz an der Decke? Was könnte umgeräumt werden, um Platz für grüne Freunde zu schaffen? Oder hast du gar ein Regal mit ungenutzter Fläche? Überall, wo du Raum findest oder schaffen kannst, können Pflanzen wachsen. Ist dieser Schritt geschafft, analysierst du den Standort , d.h. du ermittelst wie viel Licht, Schatten, Wind oder Feuchtigkeit vorhanden sind und welche Temperaturen herrschen. Natürlich ist nicht jedes Gewächs für jeden Standort geeignet. Eine schattenliebende Blume wird in der prallen Sonne eingehen. Aber für jede Stelle kannst du die richtige Pflanze finden. Unsere Pflanzenporträts helfen dir dabei.

Bunte Blumen in kreativen Gefäßen

Wie oft muss ich meinen vertikalen Garten gießen?

Pflanzen wollen regelmäßig gewässert werden. Manche öfter, andere etwas seltener. Das hängt von dem Grünling, den Temperaturen und dem Standort ab. Grundsätzlich trocknen vertikale Gärten schneller aus als Freibeete, daher solltest du ein Auge auf die Wasserbedürfnisse haben. Außerdem kannst du anhand der Erde testen, ob es Zeit ist für eine Flüssigkeitsration. Ist die Erde an der Oberfläche fest und angetrocknet, sind deine grünen Zöglinge vermutlich durstig. Um die Feuchtigkeit besser in deinem Minigarten halten zu können, kannst du den Boden der Pflanzengefäße mit einem Material ausstatten, das Wasser speichert. Mit Pflanzton oder Schafvollvlies ist das Problem leicht gelöst. Derartige Stoffe saugen Wasser auf und geben es wieder an die Gewächse ab.

Bepflanzte Bilderrahmen besprühst du am besten mit Wasser. Auch Pflanzen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit lieben, mögen das., ebenso Dickblattgewächse. Im Winter, wenn trockene Heizungsluft den Pflanzen zu schaffen macht, kannst du ihnen durch vorsichtiges Besprühen, aber auch durch einen Luftbefeuchter Gutes tun. Vorsicht ist geboten, wenn Sonne direkt auf die Blätter scheint. Kombiniert mit Wassertropfen könnten deine Blumen Verbrennungen davontragen. Auch beharrte Pflanzen mögen in der Regel keine Feuchtigkeit aus dem Zerstäuber. Hier besteht die Gefahr, dass die haarigen Blätter faulen. Blüten wollen auch nicht geduscht werden, sie zeigen ihren Unmut mit gelben oder braunen Flecken.

Verwendest du ein gekauftes System, kann es sein, dass es bereits über ein Bewässerungsmodul verfügt. In dem Fall musst du nur sicherstellen, dass sich in der Nähe deines Wandgartens ein Wasseranschluss befindet.

Beleuchtung und vertikale Beete - eine gelungene Kombination

Stichwort Licht – Welche Beleuchtung ist richtig für meinen vertikalen Garten?

Die Lichtbedürfnisse der Pflanzen sind beim vertikalen Gärtnern genauso wichtig wie bei allen Zimmerpflanzen oder beim Anbau in der freien Natur. Liebt es ein Gewächs sonnig, braucht es auch im Zimmer die entsprechende Versorgung. Entweder installierst du deine senkrechte Begrünung in der Nähe eines Fensters, am besten mit Süd- oder Westausrichtung. Oder du hilfst mit einer LED-Lampe mit einer Leuchtstoffröhre in Kaltweiß nach. Profis greifen auch zu Halogen-Metalldampflampen oder Hochdruck-Natriumdampflampen, die das Wachstum der grünen Mitbewohner anregen. Einige der vorgefertigten Modelle sind bereits mit Leuchten ausgestattet. So kannst du dunkle Ecken in der Wohnung gleichzeitig begrünen und heller gestalten. Ein passender Stromanschluss ist je nach Konstruktion erforderlich.

Jetzt musst du nur noch deine Lieblingspflanzen aussuchen – dabei helfen dir unsere Pflanzen-Steckbriefe – und schon kann das vertikale Vergnügen starten. Hab Spaß!

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